Polonium (Po, Z = 84): Das Element der Radioaktivität und Gefahr
Vereinfachtes Atommodell des Poloniumatoms. Das bekannteste Isotop ist \(^{210}\mathrm{Po}\)
mit seinen 84 Protonen, 84 Elektronen und 126 Neutronen. Hintergrund zeigt Radioaktivitätsgefahren-Symbole und das Porträt von Marie Curie.
Bildquelle: astronoo.com (neues Fenster)
Rolle von Polonium in Astrophysik und Radichronologie
Ein flüchtiges Element der Nukleosynthese
Polonium ist ein schweres Element, das ausschließlich durch den r-Prozess (schnelle Neutroneneinfang) bei explosiven Ereignissen wie Supernovae oder Neutronensternverschmelzungen erzeugt wird. Aufgrund seiner radioaktiven Isotope und relativ kurzen Halbwertszeiten (das längste, \(^{209}\mathrm{Po}\), hat eine Halbwertszeit von nur 125,2 Jahren) gibt es praktisch kein primordiales Polonium im Universum. Alles Polonium, das bei der Entstehung des Sonnensystems vorhanden war, ist längst zerfallen. Das heute auf der Erde gefundene Polonium ist entweder künstlich oder stammt aus dem Zerfall von Uran und Thorium in natürlichen radioaktiven Zerfallsketten.
Mitglied der natürlichen Zerfallsreihen
Mehrere Isotope des Poloniums treten als Zwischenprodukte in den vier primordialen radioaktiven Zerfallsketten auf:
- In der Uran-238-Kette (4n+2): \(^{218}\mathrm{Po}\) (Radium A, Halbwertszeit 3,10 Minuten) und \(^{214}\mathrm{Po}\) (Radium C', Halbwertszeit 164,3 µs).
- In der Thorium-232-Kette (4n): \(^{216}\mathrm{Po}\) (Thoron A, Halbwertszeit 0,145 s) und \(^{212}\mathrm{Po}\) (Thorium C', Halbwertszeit 0,299 µs).
- In der Uran-235-Kette (4n+3) oder Actinium: \(^{215}\mathrm{Po}\) (Actinium A, Halbwertszeit 1,78 ms) und \(^{211}\mathrm{Po}\) (Actinium C', Halbwertszeit 0,516 s).
Diese sehr kurzlebigen Isotope werden ständig in uran- und thoriumhaltigen Mineralien produziert und verschwinden wieder, was zur natürlichen Radioaktivität beiträgt. \(^{210}\mathrm{Po}\) (Radium F) mit einer Halbwertszeit von 138,376 Tagen ist das langlebigste Mitglied der Uran-238-Kette und kann sich in messbaren Mengen ansammeln.
Tracer in Geochemie und Ozeanographie
\(^{210}\mathrm{Po}\) wird als natürlicher Tracer in den Geowissenschaften verwendet. Es entsteht durch den Zerfall von Radon-222 (Gas) in der Atmosphäre und lagert sich auf erd- und ozeanischen Oberflächen ab. Sein Verhältnis zu seinem langlebigeren "Eltern"-Isotop \(^{210}\mathrm{Pb}\) (Halbwertszeit 22,3 Jahre) ermöglicht die Datierung von jüngeren marinen Sedimenten (über einige hundert Jahre), die Untersuchung von ozeanischen Mischungsprozessen, Bioproduktivität und Partikeltransport in der Atmosphäre.
Geschichte der Entdeckung von Polonium
Etymologie und Herkunft des Namens
Polonium wurde von seinen Entdeckern, Marie und Pierre Curie, 1898 nach Maries Heimatland Polen benannt (damals aufgeteilt zwischen dem Russischen Reich, Österreich-Ungarn und Preußen). Es war eine patriotische und politische Geste, um auf die polnische Unabhängigkeitsbewegung aufmerksam zu machen, als das Land nicht mehr auf den Karten existierte. Es war das erste Element, das nach einem Land benannt wurde.
Die Entdeckung durch die Curies
Bei der Untersuchung der Radioaktivität von Pechblende (einem Uranerz) bemerkte Marie Curie, dass diese höher war, als durch den Urangehalt allein erklärt werden konnte. Sie und ihr Mann Pierre begannen eine titanische Arbeit der chemischen Reinigung von Tonnen von Erz. Im Juli 1898 kündigten sie die Entdeckung eines neuen Elements an, das sie Polonium nannten. Sie charakterisierten es durch seine intensive Radioaktivität und chemische Ähnlichkeit mit Wismut. Einige Monate später würden sie Radium entdecken, das noch radioaktiver war. Diese Entdeckungen brachten ihnen 1903 den Nobelpreis für Physik ein (zusammen mit Henri Becquerel).
Erste Isolierungen und Studien
Die Isolierung von Polonium in wägbaren Mengen war aufgrund seiner geringen Häufigkeit und starken Radioaktivität extrem schwierig. Erst nach vielen Jahren der Erzverarbeitung wurden mikroskopische Mengen reiner Poloniumsalze gewonnen. Die erste Beobachtung des Poloniumspektrums erfolgte 1910. Die Produktion im Gramm-Maßstab wurde erst mit der Entwicklung von Kernreaktoren möglich.
Moderne Produktion
Heute wird Polonium-210 auf zwei Hauptwegen künstlich hergestellt:
- Neutronenbestrahlung von Wismut-209: In einem Kernreaktor fängt Wismut-209 ein Neutron ein und wird zu Wismut-210, das durch Beta-Emission mit einer Halbwertszeit von 5,012 Tagen zu Polonium-210 zerfällt: \(^{209}\mathrm{Bi}(n,\gamma)^{210}\mathrm{Bi} \xrightarrow[\beta^-]{} ^{210}\mathrm{Po}\).
- Chemische Trennung aus Radiumverbindungen oder Abfällen der Uranerzverarbeitung (historische Methode).
Die weltweite Produktion ist sehr gering, in der Größenordnung von einigen hundert Gramm pro Jahr, hauptsächlich in Russland. Die Kosten sind extrem hoch (hunderttausende Dollar pro Gramm für hochreines \(^{210}\mathrm{Po}\)), aufgrund der Komplexität der Herstellung und Trennung sowie der damit verbundenen Risiken.
Struktur und Grundlegende Eigenschaften von Polonium
Klassifizierung und Atomstruktur
Polonium (Symbol Po, Ordnungszahl 84) ist ein Post-Übergangsmetall, das in Gruppe 16 (Sauerstoffgruppe oder Chalkogene) des Periodensystems steht, zusammen mit Sauerstoff, Schwefel, Selen, Tellur und Livermorium. Es ist das einzige Element dieser Gruppe, das ein Metall (bei Raumtemperatur) ist. Sein Atom hat 84 Protonen und, je nach Isotop, 122 bis 136 Neutronen. Das Isotop \(^{210}\mathrm{Po}\) hat 126 Neutronen. Seine Elektronenkonfiguration ist [Xe] 4f¹⁴ 5d¹⁰ 6s² 6p⁴, mit sechs Valenzelektronen (6s² 6p⁴).
Physikalische und radioaktive Eigenschaften
Polonium ist ein silbergraues, weiches Metall, das chemisch seinen Verwandten Tellur und Wismut ähnelt.
- Intensive Alpha-Radioaktivität: Dies ist seine auffälligste Eigenschaft. \(^{210}\mathrm{Po}\) emittiert 5,3 MeV Alpha-Teilchen mit einer Halbwertszeit von 138,376 Tagen. Ein Gramm \(^{210}\mathrm{Po}\) setzt etwa 140 Watt thermische Leistung frei, was es warm anfühlt.
- Zerfallswärme: Die spezifische Leistung ist so hoch, dass eine Poloniummasse Temperaturen von mehreren hundert Grad Celsius erreichen kann, wodurch sie teilweise schmilzt oder ihre Halterungen beschädigt.
- Hohe Dichte: 9,32 g/cm³ für die Alpha-Form.
- Niedriger Schmelzpunkt: 254 °C.
- Siedepunkt: 962 °C.
- Allotropie: Zwei Hauptallotrope: die Alpha-Form (einfach kubisch) und die Beta-Form (rhomboedrisch), mit einem Übergang bei etwa 75°C.
Seine intensive Radioaktivität schädigt schnell seine Kristallstruktur und verursacht Selbstbestrahlung.
Umwandlungspunkte
Polonium schmilzt bei 254 °C (527 K) und siedet bei 962 °C (1235 K). Seine Zerfallswärme kann diese Messungen für makroskopische Proben verfälschen.
Chemische Reaktivität
Chemisch gesehen ist Polonium ein ziemlich reaktives Metall, ähnlich wie Tellur. Es löst sich in Säuren unter Bildung von Po(IV)-Lösungen (rosa) und oxidiert leicht an der Luft. Es bildet Verbindungen in den Oxidationsstufen -2, +2, +4 und +6, wobei +4 am stabilsten ist. Seine Verbindungen sind oft farbig (z. B. PoCl₄ ist gelb, PoBr₄ ist rot). Die Erforschung seiner Chemie ist jedoch aufgrund seiner intensiven Radioaktivität extrem schwierig und gefährlich.
Zusammenfassung der physikalischen Eigenschaften von Polonium
Dichte (α-Po): 9,32 g/cm³.
Schmelzpunkt: 527 K (254 °C).
Siedepunkt: 1235 K (962 °C).
Kristallstruktur (α): Einfach kubisch (einzigartig unter den Elementen).
Elektronenkonfiguration: [Xe] 4f¹⁴ 5d¹⁰ 6s² 6p⁴.
Hauptoxidationszustand: +4.
Tabelle der Polonium-Isotope (wichtigste)
| Isotop / Notation | Protonen (Z) | Neutronen (N) | Atommasse (u) | Natürliche Häufigkeit | Halbwertszeit / Zerfallsart | Bemerkungen / Anwendungen |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Polonium-208 — \(^{208}\mathrm{Po}\) | 84 | 124 | 207,981246 u | Spur (radiogen) | 2,898 Jahre (α) | Mittellebiges Isotop, in der Thorium-Kette vorhanden. Kann künstlich hergestellt werden. |
| Polonium-209 — \(^{209}\mathrm{Po}\) | 84 | 125 | 208,982430 u | Spur (radiogen) | 125,2 Jahre (α, 99,99%; CE, 0,001%) | Isotop mit der längsten natürlichen Halbwertszeit. Wird hauptsächlich durch α-Zerfall von \(^{213}\mathrm{Bi}\) produziert. |
| Polonium-210 — \(^{210}\mathrm{Po}\) | 84 | 126 | 209,982874 u | Spur (radiogen) | 138,376 Tage (α) | Das wichtigste und bekannteste Isotop. Intensive Alpha-Radioaktivität (5,3 MeV). Wird in antistatischen Quellen, thermoelektrischen Generatoren und leider auch als Gift verwendet. Wird aus \(^{209}\mathrm{Bi}\) durch Neutronenbestrahlung hergestellt. |
Elektronenkonfiguration und Elektronenschalen von Polonium
N.B.:
Elektronenschalen:
Wie Elektronen um den Kern organisiert sind (neues Fenster).
Polonium hat 84 Elektronen, die auf sechs Elektronenschalen verteilt sind. Seine Elektronenkonfiguration [Xe] 4f¹⁴ 5d¹⁰ 6s² 6p⁴ weist sechs Valenzelektronen in der 6. Schale (s² p⁴) auf. Dies kann auch geschrieben werden als: K(2) L(8) M(18) N(32) O(18) P(6), oder vollständig: 1s² 2s² 2p⁶ 3s² 3p⁶ 3d¹⁰ 4s² 4p⁶ 4d¹⁰ 4f¹⁴ 5s² 5p⁶ 5d¹⁰ 6s² 6p⁴.
Detaillierte Struktur der Polonium-Schalen
K-Schale (n=1): 2 Elektronen (1s²).
L-Schale (n=2): 8 Elektronen (2s² 2p⁶).
M-Schale (n=3): 18 Elektronen (3s² 3p⁶ 3d¹⁰).
N-Schale (n=4): 32 Elektronen (4s² 4p⁶ 4d¹⁰ 4f¹⁴).
O-Schale (n=5): 18 Elektronen (5s² 5p⁶ 5d¹⁰).
P-Schale (n=6): 6 Elektronen (6s² 6p⁴).
Valenzelektronen und Oxidationszustände
Polonium hat 6 Valenzelektronen (6s² 6p⁴). Seine Chemie ähnelt der von Tellur, zeigt aber eine stärkere Tendenz zu niedrigeren Oxidationsstufen aufgrund des einsetzenden Inert-Paar-Effekts. Die wichtigsten Oxidationsstufen sind:
- Polonium(IV) (Po⁴⁺): Der stabilste Zustand, analog zu Te(IV). Bildet Verbindungen wie Dioxid (PoO₂) und Tetrachlorid (PoCl₄).
- Polonium(II) (Po²⁺): Existiert in einigen Verbindungen, ist aber instabil und reduzierend.
- Polonium(VI) (Po⁶⁺): Selten und stark oxidierend, wie in Trioxid (PoO₃) und Polonaten(VI) (PoO₄²⁻).
- Polonium(-II): Als Polonid (Po²⁻) in Verbindungen mit hoch elektropositiven Metallen (z. B. Na₂Po).
Die Chemie von Polonium ist aufgrund der extremen Gefahren bei der Handhabung kaum erforscht.
Chemische Reaktivität von Polonium
Reaktion mit Luft und Sauerstoff
Poloniummetall oxidiert schnell an der Luft zu Poloniumdioxid (PoO₂), einem gelben Feststoff. Beim Erhitzen an der Luft können sich gemischte Oxide bilden.
Reaktion mit Wasser und Säuren
- Wasser: Reagiert langsam.
- Säuren: Löst sich in den meisten Säuren. Mit Salzsäure kann es Tetrachlorid (PoCl₄) bilden. Salpetersäure oxidiert es zu Po(IV)-Lösungen.
Wichtige Verbindungen
Nur sehr wenige Poloniumverbindungen wurden hergestellt und im Detail untersucht, immer in winzigen Mengen und mit äußerster Vorsicht.
- Poloniumdioxid (PoO₂): Die stabilste Form.
- Poloniumtetrachlorid (PoCl₄): Gelber, flüchtiger und hygroskopischer Feststoff.
- Poloniumdihydrid (PoH₂): Sehr instabiles und radioaktives Gas, analog zu H₂Te.
- Polonide: Verbindungen mit Alkalimetallen (z. B. Na₂Po), sehr instabil.
Industrielle und Technologische Anwendungen von Polonium
- Als intensive Alpha-Teilchenquelle für die Kernphysikforschung und Detektorkalibrierung;
- In Neutronenquellen: Gemischt mit Beryllium (α + Be → n) erzeugt es einen Neutronenfluss zum Starten von Kernreaktoren, Neutronenaktivierungsanalyse oder als tragbare Quelle (historische und militärische Verwendung);
- Als Wärmequelle in Radioisotop-Thermogeneratoren (RTG) für Satelliten und Raumsonden (historische Verwendung, ersetzt durch \(^{238}\mathrm{Pu}\));
- In antistatischen Quellen zur Beseitigung statischer Elektrizität in der Textil-, Papier-, Foto- und Halbleiterindustrie (Luftionisation durch Alpha-Teilchen);
- Als Alpha-Ionenquelle in Ionisationsvorrichtungen für Rauchmelder (heute sehr marginal, ersetzt durch Americium-241);
- Als Target für die Produktion seltener Isotope in der Kernphysik;
- In der Forschung zu Eigenschaften schwerer Metalle und Actinidenchemie (als sichereres chemisches Analogon für bestimmte Elemente, obwohl radioaktiv);
- Berüchtigte Verwendung als Gift: Aufgrund seiner hohen radioaktiven Toxizität und schwierigen Nachweisbarkeit (Fall des Ex-Spions Alexander Litvinenko 2006).
Schlüsselanwendungen: Neutronenquellen und Thermogeneratoren
Neutronenquellen (Po-Be)
Wenn ein hochenergetisches Alpha-Teilchen (wie das von \(^{210}\mathrm{Po}\)) auf einen Beryllium-9-Kern trifft, findet eine Kernreaktion statt: \(^9\mathrm{Be} + \alpha \rightarrow \,^{12}\mathrm{C} + n\). Diese Reaktion erzeugt ein Neutron. Polonium-Beryllium (Po-Be)-Quellen waren daher tragbare Neutronenquellen, die verwendet wurden:
- Zum Starten von Kernreaktoren ("Priming"-Quelle).
- In der Ölprospektion (Neutronenlog).
- In der Neutronenaktivierungsanalyse.
- In Atomwaffen als Initiatoren (historisch).
Aufgrund der kurzen Halbwertszeit von \(^{210}\mathrm{Po}\) (138 Tage) waren diese Quellen jedoch unpraktisch und mussten häufig ersetzt werden. Sie wurden weitgehend durch Quellen mit Americium-241 oder Californium-252 ersetzt.
Radioisotop-Thermogeneratoren (RTG)
Der intensive Zerfall von \(^{210}\mathrm{Po}\) setzt eine große Menge Wärme frei (140 W/g). Diese Wärme kann mit Thermoelementen (Seebeck-Effekt) in Strom umgewandelt werden. Polonium-210 wurde in einigen der ersten RTGs der Sowjets verwendet, um Geräte an abgelegenen Orten (Bojen, Wetterstationen) mit Strom zu versorgen. Aufgrund seiner kurzen Halbwertszeit nahm die Leistung jedoch schnell ab. Für Langzeit-Weltraummissionen wurde es zugunsten von Plutonium-238 (Halbwertszeit 87,7 Jahre) aufgegeben.
Toxikologie, Strahlenschutz und Gefahren
Extreme radioaktive Toxizität
Polonium-210 ist eine der giftigsten bekannten Substanzen. Seine Gefährlichkeit ergibt sich aus mehreren Faktoren:
- Hochenergetische Alpha-Emission (5,3 MeV): Alpha-Teilchen haben eine sehr hohe zellzerstörende Wirkung, aber eine geringe Eindringtiefe (werden von einem Blatt Papier oder der Hornhautschicht der Haut gestoppt). Die Gefahr besteht daher hauptsächlich durch interne Kontamination (Ingestion, Inhalation, Verletzung).
- Kurze Halbwertszeit: Eine enorme spezifische Aktivität (166 TBq/g), was bedeutet, dass eine sehr kleine Anzahl von Atomen eine tödliche Dosis abgeben kann.
- Biologische Verteilung: Sobald es in den Körper gelangt, verhält sich Polonium wie sein chemisches Analogon, Tellur. Es verteilt sich im gesamten Körper, hat aber eine besondere Affinität zu Leber, Nieren, Milz und Knochenmark. Vor allem konzentriert es sich in schnell erneuernden Geweben.
Letale Dosis und Symptome
Die mittlere letale Dosis (LD50) für den Menschen durch Ingestion wird auf nur 1 Mikrogramm (1 µg) \(^{210}\mathrm{Po}\) geschätzt, was einer Aktivität von etwa 11 GBq entspricht.
Die Symptome einer akuten Vergiftung (wie im Fall Litvinenko) treten nach einigen Tagen auf und umfassen:
- Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen.
- Haarausfall (Alopezie).
- Knochenmarkversagen (Abnahme der weißen Blutkörperchen, roten Blutkörperchen und Blutplättchen), was zu Infektionen und Blutungen führt.
- Leber- und Nierenschäden.
- Tod innerhalb weniger Wochen, in der Regel durch Multiorganversagen oder Sepsis.
Nachweis und Behandlung
Schwieriger Nachweis: Polonium-210 emittiert keine signifikante Gammastrahlung (nur eine schwache Gamma-Strahlung bei 803 keV in 0,001% der Zerfälle). Der direkte Nachweis erfordert einen speziellen Alpha-Zähler oder die Messung der Radioaktivität in Exkrementen (Urin, Stuhl). Die Diagnose wird oft verzögert.
Begrenzte Behandlung: Es gibt kein spezifisches Gegenmittel. Die Behandlung ist symptomatisch (Transfusionen, Wachstumsfaktoren, Antibiotika) und zielt darauf ab, das Polonium zu eliminieren:
- Chelatbildung: Dimercaptopropansulfonsäure (DMPS) und Berliner Blau (Eisenferrocyanid) haben eine gewisse Wirksamkeit bei der Steigerung der Ausscheidung gezeigt, wenn sie sehr früh verabreicht werden.
- Vermeidung von Kontamination: Prävention ist von größter Bedeutung. Die Handhabung erfordert Handschuhkästen unter Inertatmosphäre mit angemessener Belüftung und Abschirmung.
Umweltkontamination
Polonium-210 ist überall in Spuren natürlich vorhanden (Böden, Wasser, Luft) aufgrund der Zerfallsketten. Höhere Konzentrationen finden sich in Uranerzen, Phosphatdüngern (die Uran enthalten) und… Tabakrauch. Tabakpflanzen nehmen das im Boden und in Düngemitteln vorhandene Polonium auf, und es konzentriert sich in den Blättern. Rauchen ist daher eine bedeutende Quelle für die interne Exposition gegenüber \(^{210}\mathrm{Po}\) für Raucher.
Management, Regulierung und Sicherheit von Polonium
Strenge Kontrolle
Aufgrund seiner extremen Toxizität und des Potenzials für böswillige Verwendung unterliegt Polonium-210 sehr strengen internationalen Kontrollen. Es ist als Kategorie-1-Radioaktivmaterial (das gefährlichste) durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) eingestuft. Sein Handel, Transport und seine Verwendung werden streng überwacht. Einrichtungen, die zur Handhabung berechtigt sind, müssen außergewöhnlich hohe nukleare Sicherheits- und Schutzstandards einhalten.
Entsorgung von Abfällen
Abfälle, die Polonium enthalten, müssen so verpackt werden, dass ein langfristiger Einschluss gewährleistet ist, angesichts seiner Halbwertszeit von 138 Tagen. Nach einigen Jahren Lagerung in geeigneten Behältern hat die Aktivität erheblich abgenommen. Die Abfälle werden dann wie andere kurzlebige, mittelaktive radioaktive Abfälle behandelt.
Perspektiven
Die zivilen Anwendungen von Polonium sind heute sehr begrenzt und rückläufig, ersetzt durch andere sicherere oder praktischere Radioisotope (Am-241, Pu-238, Cf-252). Sein Hauptinteresse bleibt:
- Grundlagenforschung in der Chemie schwerer Elemente und Kernphysik.
- Eine historische Erinnerung an die heroischen und gefährlichen Anfänge der Radiochemie.
- Ein Lehrbuchfall in der radiologischen Toxikologie und nuklearen Sicherheit.
Polonium wird für immer mit dem Genie und Mut von Marie Curie sowie dem düsteren Schatten seiner tödlichen Toxizität verbunden bleiben.
Die für die Kernfusion erforderlichen Energien und warum Uran eine Grenze ist
Das Atom in all seinen Formen: Von der antiken Intuition zur Quantenmechanik