"Wir sind alle aus Sternenstaub gemacht": Dieser wunderschöne Satz wird oft als bloße poetische Metapher verstanden. Doch er basiert auf einer der grundlegendsten Entdeckungen der modernen Astrophysik, die maßgeblich von Margaret Burbidge geprägt wurde. 1957 verfasste diese britische Astrophysikerin einen legendären Artikel, bekannt als B²FH, der zum ersten Mal zeigte, dass alle chemischen Elemente, die schwerer als Wasserstoff und Helium sind, im Herzen der Sterne entstehen und bei ihrem explosiven Tod im Universum verstreut werden. So entstanden der Kohlenstoff in unserer DNA, der Sauerstoff, den wir atmen, und das Eisen in unserem Blut in Sternen, die heute nicht mehr existieren.
Eleanor Margaret Peachey, geboren 1919 in Davenport (England), entwickelte früh eine Leidenschaft für die Astronomie. In einer Zeit, in der wissenschaftliche Karrieren für Frauen selten waren, studierte sie am University College London. Der Zweite Weltkrieg unterbrach ihre Arbeit, doch sie gab nie auf. Nach dem Krieg heiratete sie den Astronomen Geoffrey Burbidge, mit dem sie ein außergewöhnliches wissenschaftliches Duo bildete. Trotz ihres Talents sah sich Margaret Diskriminierung ausgesetzt: In den 1950er Jahren wurde ihr der Zugang zum Mount-Wilson-Observatorium (Kalifornien) verweigert, offiziell weil es keine Toiletten für Frauen gab. Sie musste durch ihren Mann oder heimlich beobachten. Diese Ungerechtigkeit entmutigte sie nicht, sondern stärkte ihren Entschluss.
Das Jahr 1957 markierte einen Wendepunkt. Margaret Burbidge (1919-2020), Geoffrey Burbidge (1925-2010), William Fowler (1911-1995) und Fred Hoyle (1915-2001) veröffentlichten in Reviews of Modern Physics einen monumentalen Artikel: "Synthese der Elemente in Sternen". Dieser über hundert Seiten lange Text legte die Grundlagen der stellaren Nukleosynthese. Die Idee war revolutionär: Sterne sind nicht nur Licht- und Wärmequellen. Sie sind natürliche Kernreaktoren.
In ihren Kernen verwandelt die Kernfusion allmählich Wasserstoff in Helium, dann in Kohlenstoff, Sauerstoff, Neon, Magnesium, Silizium und schließlich Eisen. Doch was ist mit den Elementen, die schwerer als Eisen sind (Kupfer, Silber, Gold, Uran)? Der B²FH-Artikel zeigte, dass sie durch Neutroneneinfang in roten Riesensternen oder bei Supernova-Explosionen entstehen. So entstanden das Gold in unserem Schmuck und das Uran in Kernkraftwerken in stellaren Kataklysmen.
Obwohl der Name B²FH vier Autoren verbindet, war Margarets Arbeit zentral. Sie sammelte und interpretierte spektroskopische Daten aus Observatorien. Sie analysierte das Sternenlicht, um dessen chemische Zusammensetzung zu extrahieren. Mit außergewöhnlicher Sorgfalt identifizierte sie Absorptionslinien, die verschiedenen Elementen entsprechen. Ihre Beobachtungen, kombiniert mit Fowlers nuklearen Berechnungen und Hoyles theoretischen Modellen, validierten die Theorie. Ohne ihre Expertise in der Spektroskopie wäre der Beweis nicht so überzeugend gewesen.
Nach diesem großen Durchbruch blieb Margaret Burbidge nicht stehen. Sie studierte die Rotation von Galaxien und zeigte, dass die sichtbare Masse nicht ausreicht, um ihre Dynamik zu erklären – eine Intuition, die die Entdeckung der dunklen Materie vorwegnahm. Sie interessierte sich auch für Quasare, extrem leuchtkräftige aktive Kerne am Rande des Universums. Ihre Arbeit an deren Spektren half, die Rolle supermassereicher Schwarzer Löcher in den Zentren von Galaxien zu verstehen.
Margaret Burbidge prägte nicht nur die Astrophysik mit ihren Entdeckungen. Sie kämpfte auch ihr ganzes Leben lang für die Gleichberechtigung der Geschlechter. 1972 lehnte sie den Annie Jump Cannon Preis (für Astronominnen) ab, da sie der Meinung war, dass solche getrennten Auszeichnungen eine Form der Diskriminierung darstellen. "Es ist an der Zeit, dass Frauen nach ihrer Arbeit und nicht nach ihrem Geschlecht beurteilt werden", erklärte sie. Sie wurde die erste Direktorin des Royal Greenwich Observatory (1972-1973) und die erste Präsidentin der American Astronomical Society (1976-1978). Ihr Beispiel inspirierte Generationen junger Wissenschaftlerinnen.
Dank Margaret Burbidge wissen wir heute, dass jedes Kohlenstoff-, Sauerstoff-, Phosphor- oder Eisenatom in unserem Körper vor Milliarden von Jahren im Herzen eines Sterns synthetisiert wurde, der heute nicht mehr existiert. Als dieser Stern als Supernova explodierte, verstreute er diese Elemente in der Nebelwolke, aus der später unser Sonnensystem entstand. In diesem Sinne ist der Satz "Wir sind alle aus Sternenstaub gemacht" weder eine Metapher noch ein Gedicht: Es ist eine strenge wissenschaftliche Tatsache, die durch die bahnbrechende Arbeit von Margaret Burbidge etabliert wurde.